Auf zu neuen Ufern
Es ist soweit.
Viele, viele Jahre lang habe ich ja über E-Bikes hergezogen, geschimpft und mit Unverständnis auf sie reagiert. Also nicht grundsätzlich auf alle, sondern nur auf die, mit denen ich während meiner Hunde- und Wanderrunden meist von hinten fast über den Haufen gefahren wurde oder die, deren Fahrer*innen mit diesem ganz speziellen Ausdrucksblick im Gesicht an der Rechts-vor-links-Kreuzung meinen Vorfahrtsweg noch haarscharf vor der Motorhaube kreuzten, weil sie halt nicht (mehr) bremsen konnten.
Ok, und ganz besonders blöd fand ich die, auf denen diese bierbäuchigen, etwas älteren Herren saßen, die sich im Vorbeifahren ihre dämlichen Kommentare einfach nicht verkneifen konnten. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, ob es nicht vielleicht immer derselbe bierbäuchige, etwas ältere Herr war, auf jeden Fall aber wurde ich von einem solchen während des Überholvorgangs gleich mehrfach mit besser ungesagt gebliebenen Kommentaren bedacht, ganz gleich, ob ich nun wandernd, joggend oder mit meinem „normalen“ Fahrrad unterwegs war.
Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Ablehnung gegenüber E-Bikes (jaja, Pedelecs…) war riesig, meine Schimpftiraden überregional bekannt.
Bis zu diesem Tag, an dem ich eigentlich selbst gar nicht so genau weiß, was nun passiert ist.
Vielleicht hatte ein einmal zu oft gehört, wie viel Spaß so ein E-Bike macht. Vielleicht war es die zwei vor dem Komma bei den Spritpreisen, vielleicht war es aber auch die Erkenntnis, dass es mit meinem „normalen“ Fahrrad halt nicht mehr zu viel mehr als meiner See-Runde reicht, so dass ich den Gedanken, vielleicht mal meinen Arbeitsweg damit zurück zu legen, gar nicht erst in Erwägung ziehen brauchte. Auf jeden Fall aber fand ich den Gedanken, es mal mit einem E-Bike zu probieren, auf einmal gar nicht mehr so schlimm.
Ich schaute in echt viele überrascht-verständnislose Gesichter, als ich das sagte 🙂
Aber nach einem spontanen Informationsbesuch beim hiesigen Fahrradhändler unseres Vertrauens und einer kurzen Probefahrt stand dann felsenfest: Ich brauch so ein E-Bike UN-BE-DINGT!
Inzwischen ist es da und nachdem ich die ersten Touren mit ihm absolviert habe, bin ich von ihm restlos begeistert. Es macht wirklich unfassbar viel Spaß, man muss keine Angst mehr haben, während eines Anstiegs schlapp zu machen und kann es trotzdem so einstellen, dass man noch ordentlich treten muss. Woran ich allerdings noch arbeiten muss, ist dieses naja, also es ist kein „schlechtes Gewissen“, aber es ist halt dieser Respekt vor allen, die die Strecke, die ich nun mit dem E-Bike fahre, laufend oder halt ohne Elektro-Antrieb zurücklegen. Ich weiß ja, wie es sich auf der „anderen“ Seite anfühlt und warum ich mich so lange gegen genau dieses Hilfsmittel gesträubt habe, aber ok, ich werde nie-, nie-, niemals diese von mir so gehassten Kommentare loslassen, von daher dürfte das so schon in Ordnung sein.
Gestern jedenfalls führte mich mein Weg nach Elsenborn.

Es ging an der Oleftalsperre los, schön entspannt am Ufer entlang, dann bergauf durch den Wald nach Belgien, bis zur Gedenkstätte „Hasselpath“.
Dort befindet sich auch ein kleiner Rundweg, auf welchem man zu Fuß diverse Relikte des Weltkrieges sehen kann und auch mit Informationen versorgt wird. Besonders beklemmend ist das, wenn auf dem ganz in der Nähe liegenden Truppenübungsplatz Elsenborn gerade Übungen stattfinden und man hört, wie dort geschossen wird.
Das war gestern nicht der Fall, aber als ich dann nach Elsenborn weiterradelte und dort an dem großen Gedenkstein stand, fühlte sich das trotzdem alles ganz dunkel an.

Insgesamt war es aber eine sehr schöne Tour.
Die Wege durch den Wald sind zwar stellenweise sehr schotterig, ein kleiner Teil hatte auch eher Trampelpfadcharakter und nach dem vielen Regen der vergangenen Zeit wies er auch einige matschige Stellen auf, aber mein Rad ist da einfach durchmarschiert wie nix, so dass ich so nach und nach immer mehr Spaß und Freude an der Sache bekomme. Genau das wollte ich ja, nämlich nicht nur auf schönen, glatten Straßen fahren, sondern auch mal durch den Wald – natürlich nur auf den Wegen, wo man es auch darf. Und ich glaube, genau das will mein Rad auch. 🙂